Entwurf eines modellhaften, wasser- und energieeffizienten Wohnblocks für Mieter mit geringem Einkommen in Abu Alanda, Jordan.

Abu Alanda Housing
Abu Alanda Housing
Abu Alanda Housing
Abu Alanda Housing

Abgabe für den Wettbewerb „Bezahlbares Wohnen der Zukunft“, ausgeschrieben vom „Center for the Study of the Built Environment“ (CSBE) und der Jordanischen Ingenieurskammer (JEA), in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wasser und Bewässerung (MWI) und der Vereinigung für Wohnen und Urbane Entwicklung (HUDC).

 

Die Typologie des jordanischen Wohnungsbaus wird bestimmt von einer typischen Bauform: einem 4-geschossigen Wohnblock, der landesweit von Bauunternehmen für den Bereich des Wohnbaus für Haushalte mit niedrigem Einkommen angewendet wird. Der Wettbewerb soll dazu dienen, geeignete Ideen und Entwürfe für wasser- und energiesparende Wohngebäude zu entwickeln, die sowohl ästhetisch, als auch praktisch und nachhaltig anwendbare Lösungen für die Verstädterungszonen im jordanischen Hochland liefern. Diese Lösungen müssen insbesondere die laufenden Kosten reduzieren, da gerade die Unterhaltskosten für Haushalte mit geringem Einkommen eine Herausforderung darstellen.

 

Konzeptentwurf:

Nachhaltige Lösungen können nicht losgelöst von lokalen Umweltbedingungen und dem kulturellen Hintergrund betrachtet werden. Die arabisch-islamische Architektur hält dafür einen reichhaltigen Schatz an erprobten Lösungsansätzen bereit, die bis heute anwendbar sind.

 

Betrachtet man den Wohnblock von außen, erkennt man eine geschlossene Fassade, die nur wenige Öffnungen nach außen aufweist, um die nötige Tageslichtversorgung sicherzustellen und gleichzeitig die Aufheizung des Gebäudes zu minimieren und den Wohneinheiten die nötige Privatsphäre zu bieten. Alle Fenster erhalten zudem traditionelle „Mashrabiyas“ (Sichtschutzgitter aus gedrechselten Holzstäben), was es erlaubt, die Gebäude sehr nah aneinander zu bauen.

 

Ein intimer Innenhof, wie er aus traditionellen arabischen Haus-Bauformen von Syrien bis Marokko bekannt ist, stellt zudem Tageslicht ohne direkte Sonneneinstrahlung und Frischluft bereit.

 

Dieser Innenhof ist ein geschützter Bereich, der außerdem für Gärtnerei (Stichworte: urban farming, Nahrungsmittelsicherheit) und jede Art von sozialen Aktivitäten benutzt werden kann, und damit als Herzstück und Treffpunkt des Gebäudes gedacht ist, der gleichzeitig als „grüne Lunge“ des Komplexes dient, die die staubige Außenluft filtert und über einen Kamineffekt alle Räume mit Frischluft versorgt.

 

Unterhalb dieses Innenhofes befindet sich eine 185.000 Liter fassende Zisterne, die das anfallende Grau- und Regenwasser auffangen soll und für die Bewohner als eine zusätzliche Quelle für Nutzwasser zum Bewässern der Grünbereiche, Autowaschen usw dient. Die Größe wurde aufgrund der real anfallenden Wassermengen berechnet.

 

Grau- und Schwarzwasser sind zu trennen, wobei das Grauwasser aus Duschen, Badewannen und Handwaschbecken in einem separaten Leitungssystem über einen Pflanzenfilter in die Zisterne geführt wird, während das Schwarzwasser aus Waschmaschinen und Toiletten direkt in den Abwasserkanal eingebunden wird. 50% der benötigten Wassermenge kann über die Grauwasser-Wiedernutzung bestritten werden, was deutlich die Unterhaltskosten reduziert.

 

Das Baustoffkonzept sieht einen Hohlwandaufbau von außen nach innen aus Kalk-Zementputz, Tonziegelwand, Hohlraum, CEB-Wand (Compressed Earth Block: vor Ort aus Erde mit reduziertem Zementgehalt gepresste Werksteine) und Kalk-Gipsputz vor. Diese Materialkombination verbunden mit dem Konstruktionsaufbau erlaubt eine extrem kosten- und energieeffiziente Wandaufbau, der die Heiz- und Kühllasten (und damit auch die Unterhaltskosten) im Hochland Jordaniens auf ein Minimum reduziert.

 

Die Baukosten für einen Wohnblock mit 8 Wohneinheiten mit je 121 m² Nutzfläche wurden mit exakten Marktpreisen auf ca. 0,5 mio Jordanische Dinar (2010 ca. 0,65 mio EUR) errechnet. Nach ca. 10 Jahren würden sich die zusätzlichen Investionen (doppeltes Rohrleitungssystem, Doppelwand, Dachaufbau) amortisiert haben. Von da an zahlen sich die Wasser- und Energiesparmaßnahmen aus. Nach 20 Jahren würden die Ersparnisse bereits ca. 2 mio JOD (ca. 2,6 mio EUR) ausmachen.

 

Leistungsbeschreibung:

Konzeptentwurf, Kostenberechnung, Life-Cycle-Cost-Analyse, 3D-Modellierung, Rendering.

Jahr:

2010